Nach der Ausbildung zum Entspannungspädagogen. Wie geht´s weiter. Ein Interview mit Enrico Barbiero
Gepostet am 16 Feb, 2012
Enrico, bitte stelle Dich kurz vor …
Ich heiße Enrico Barbiero, geboren am 22. Februar 1978 in München, und habe in Eichstätt, Benediktbeuern und München Religionspädagogik, Philosophie, Religionspsychologie und Theologie studiert, und habe folgende Abschlüsse erhalten: das Vordiplom in Religionspädagogik/Kirchliche Bildungsarbeit, das römische Bakkalaureat in Philosophie, den Magister in Philosophie mit den Fächern Philosophie, Religionspsychologie und Systematische Theologie und das Diplom in Katholischer Theologie. Neben religionspädagogischen und philosophisch-theologischen Fächern habe ich auch sozialwissenschaftliche, vorwiegend Psychologie, Pädagogik, Soziologie und Soziale Arbeit, belegt.
Zudem habe ich mich in den Bereichen Psychiatrie und Psychotherapie spezialisiert und im vergangenen Jahr (2011) die staatliche Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung, beschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie, durch das Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München erhalten. Neben meinen Studien habe ich in den vergangenen vier Jahren an mehreren Schulen (Gymnasien und berufsorientierte Schulen) als Religionslehrer gearbeitet. Dadurch eignete ich mir vertiefte Kenntnisse über den Menschen und die aktuelle gesellschaftliche Situation an.
Du hast bei uns die Ausbildung zum Entspannungspädagogen gemacht. Welche Erwartungen hattest Du? Und wurden Deine Erwartungen erfüllt?
Ich habe von September bis Dezember 2011 bei Wiblishauser-Seminare die Ausbildung zum Entspannungspädagogen mit einer Prüfung absolviert. Meine Absicht, diese Ausbildung anzugehen, war, dass für mich die beiden Entspannungsverfahren Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation zum Grundangebot eines jeden Therapeuten gehört. Erwartet habe ich mir eine solide und fundierte Ausbildung in diese beiden klassischen und bewährten Entspannungsverfahren zu erhalten. Und meine Erwartung wurde voll und ganz erfüllt! Ich wollte keine Ausbildung zum Entspannungspädagogen angehen, wo neben Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation noch sämtliche andere Entspannungsverfahren und Achtsamkeitsübungen kurz vorgestellt werden. Ich beabsichtigte eine Ausbildung, in der auf die beiden klassischen Entspannungsverfahren konzentriert wird.
Du bist ja gerade dabei, Dich selbständig zu machen. Welches Angebot bietest Du Deinen Kunden / Klienten?
Seit Anfang Januar diesen Jahres (2012) betreibe ich in Simbach am Inn eine eigene Praxis für Psychotherapie: „Viae Vitae – Wege des Lebens“. Am 12. Januar 2012 war die offizielle Praxiseröffnung mit einer ökumenischen Segensfeier.
Mein Spektrum umfasst tiefenpsychologisch-fundierte Psychotherapie, Logotherapie und Existenzanalyse als sinn- und wertorientierte Psychotherapie, Therapeutische Seelsorge, Katathym-imaginative Psychotherapie, Entspannungsverfahren (Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation), Coaching für Erwachsene sowie Kinder- und Jugendcoaching. Darüber hinaus biete ich im Bereich Kinder- und Jugendbildung sowie in der Erwachsenenbildung Workshops an und halte Vorträge.
Mein Angebot richtet sich daher an Erwachsene, junge Erwachsene, Paare, Eheleute, Familien, Kinder und Jugendliche auf ihren Wegen des Lebens zur Verwirklichung ihrer Ziele.
Wo liegt Deine Praxis? Welche Stadt? Erreichbarkeit?
Meine Praxis „Viae Vitae – Wege des Lebens“ befindet sich am Kirchenplatz der Stadt Simbach am Inn, also ganz zentral. Diese Stadt liegt an der Grenze zu Österreich und ist jeweils ca. 60 km von Passau und Salzburg entfernt. Die nächst größeren Städten sind Altötting und Mühldorf am Inn. Erreichen kann man mich sehr gut mit dem Zug, da der Simbacher Bahnhof keine fünf Minuten von der Praxis entfernt ist. Zudem kann man mich auch sehr gut mit dem Auto erreichen, da genügend Parkgelegenheiten um den Kirchenplatz bestehen.
Wie sieht es mit der Konkurrenz aus? Was unterscheidet Dich von Deinen Konkurrenten?
Sicherlich gibt es einige Konkurrenten in und um Simbach, aber jeder von uns bietet auch einen anderen Schwerpunkt an. Und gerade dieser Schwerpunkt zeichnet jeden einzelnen von uns aus. Und diesem Sinne sind wir keine Konkurrenten, sondern ergänzen uns – zumal auch nicht jeder von uns mit jedem Patienten arbeiten könnte, d.h. die Patienten und die Therapeuten finden sich einander. Meine Auszeichnung wäre einmal der Schwerpunkt der sinn- und wertorientierten Psychotherapie mit therapeutischer Seelsorge, da ich hierzu auch sehr viel Wissen und Erfahrung aufgrund meiner Studiengänge Theologie und Philosophie mitbringe. Hinzu kommt meine Spezialisierung der beiden Entspannungsverfahren Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation. Ich habe mich auch in dem Bereich der Oberstufe des Autogenen Trainings weitergebildet.
Wie schätzt Du deine Nachfrage ein?
Die besondere Situation der Psychiatrie und Psychotherapie ist heute vor allem dadurch geprägt, dass psychische Erkrankungen immer mehr an Bedeutung gewinnen. Fast die Hälfte aller Menschen in Deutschland erleidet im Laufe ihres Lebens einmal eine psychische Erkrankung. Dabei sind Frauen durchaus häufiger betroffen als Männer. Laut Ergebnis einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind heutzutage folgende psychischen Erkrankungen epidemiologisch am häufigsten vorzufinden: Angst- und Zwangsstörungen, Depressionen, Alkoholabhängigkeit, Persönlichkeitsstörungen, Schizophrenie, Demenz, Suizidversuche und Suizide, neurotische Störungen. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung in Zukunft fortsetzen und der Behandlungsbedarf psychischer Erkrankungen vonseiten der Patienten steigen wird. Aus diesem Grunde wird es nicht nur für die medizinischen und psychologischen Psychotherapeuten viel zu tun geben, sondern auch für Heilpraktiker mit einer Beschränkung auf das Gebiet der Psychotherapie.
Allerdings muss man bei einer Praxisgründung damit rechnen, dass nicht von heute auf morgen plötzlich die Patienten zu einem in die Praxis strömen. Das bedarf einer Anlaufzeit. Erfahrungsgemäß dauert es ca. ein bis drei Jahre, ehe die Praxis einigermaßen gut funktioniert und man von den Einnahmen auch leben kann. Es kann aber auch durchaus schneller funktionieren. Das sind jedoch Ausnahmen. Wichtig ist, dass man nicht resigniert, wenn nicht sofort die Nachfrage vonseiten der Patienten gegeben ist. Wichtig ist zudem die Kundenakquise, um sich selbst bei den Menschen auch publik zu machen. Hierzu kann man in den Regionalzeitungen Artikel veröffentlichen oder hier und dort auch Vorträge halten.
Wie sind deine Preise? Wie hast Du Deine Preise kalkuliert?
Bei der Erhebung meiner Honorare habe ich mich zunächst in meinem örtlichen Umfeld erkundigt (u.a. über das Internet), welche Honorare meine Kolleginnen und Kollegen so erheben und beanspruche für mich selbst einen daran orientierten Tarif. Das Honorar für eine Behandlungseinheit von 50 Minuten beträgt in meiner Region zwischen 50 und 100 Euro. Ich selbst verlange für die Anamnesesitzungen jeweils 80 Euro und für die Therapiesitzungen 65 Euro. Anamnese ist deswegen teurer, weil damit anfangs mit der Auswertung der etwaigen Fragebögen bzw. Erstellung der Diagnose nach der Therapiesitzung auch schriftlich mehr Arbeit verbunden ist. Und für die übende Verfahren (Autogenes Training und Progressive Muskelrelaxation) verlange ich je Einzelbehandlung mit einer Dauer von je 20 Minuten 15 Euro. Ein wichtiger Aspekt ist vielleicht, dass man bei Studierenden, Rentnern und Sozialhilfeempfänger, die nachweislich mit wenig Geld zum Leben auskommen müssen, mit dem Stundensatz auch entgegenkommen und ihnen die Therapie kostengünstiger anbieten kann. Allerdings ist es für einen selbst wichtig zu überlegen, wie viele solcher Fälle man aufnehmen möchte bzw. kann. Das ist eine Frage, die muss jeder für sich selbst beantworten.
Hast Du schon freiberuflich gearbeitet? Welches Wissen bringst Du in Sachen Existenzgründung / Freiberuflichkeit / Marketing mit? Wie hast Du Dich vorbereitet?
Erfahrungen bezüglich einer Existenzgründung hatte ich vorher noch keine. Schlau gemacht habe ich mich mittels meiner Fortbildungen und dem Lesen spezieller Fachliteratur und der Internetrecherche sowie Erfahrungsaustausch mit meinen Bekannten und Freunden.
Freiberuflich arbeite ich schon länger, und zwar als Dozent für Religion und Ethik an verschiedenen berufsorientierten Schulen.
Wie willst Du Deine Klienten / Kunden auf Dich aufmerksam machen?
Meine Kundenakquise erfolgt durch Presseartikel, Internetauftritt, Vorträge, Verteilen von Visitenkarten und Flyern, persönliches Vorstellen bei Ärzten, Apotheken und Kirchengemeinden.
Was hast Du für Ziele für 2012?
Ein Hauptziel ist es, die Kundenakquise zu betreiben, Vorträge zu halten, mit Schulen und schulpastoralen Zentren kooperieren im Sinne von Coaching für Schüler, Lehrer und Eltern. Und ich wünsche mir, dass im Laufe des Jahres 2012 die einen oder anderen Klienten bzw. Patienten ihren Weg zu mir finden.
Hast Du noch einen Literaturtipp für uns in Sachen Entspannung?
Delia Grasberger: Autogenes Training mit CD. 5. Auflage, München 2010.
Friedrich Hainbuch: Progressive Muskelentspannung mit CD. 5. Auflage, München 2010.
Bernt Hoffmann: Handbuch Autogenes Training. Grundlagen, Technik, Anwendung. München 2000.
Franz Petermann: Entspannungsverfahren. Das Praxishandbuch. Weinheim 2009.
Siegfried Stephan: Autogenes Training. Das Original Übungsheft: Die Anleitung vom Begründer der Selbstentspannung. 25. Auflage, Stuttgart 2010.
Vielen Dank und viel Erfolg!
Vielen herzlichen Dank!



